Alternative Verlegemethode

Telekom: Oberirdische Verlegung von Glasfasern hat Vorteile

Kommt der Glasfaserausbau in ländlichen Regionen Deutschlands durch eine oberirdische Verlegung von Glasfaserleitungen schneller voran? Die Deutsche Telekom verweist jetzt auf die Vorteile einer solchen Verlegung - und setzt diese mancherorts bereits ein.

Glasfaser Anschluss© Silvano Rebai / Fotolia.com

Bonn - Wie kann man ländliche Gebiete in Deutschland mit schnellen Glasfaserleitungen versorgen? Auf eine schon länger in den USA, Kanada oder Australien genutzte oberirdische Alternative zur unterirdischen Verlegung setzt auch die Deutsche Telekom seit Anfang dieses Jahres. Die Glasfaserleitungen werden an bestehende Holzmasten gehängt. Konkret wird dabei eine technische Stecker-Lösung des US-Herstellers Corning Optical Communications genutzt, wie die Telekom jetzt in einem YouTube-Video und Blog-Eintrag erläuterte. Corning ist unter anderem auch für das bei Smartphones verwendete Gorilla Glas bekannt.

Schnellere und günstigere Verlegung von Glasfaserleitungen

Die Telekom verweist auf die sehr schnelle und einfache Verlegung beim oberirdischen Glasfaserausbau. Laut Rebecca Miller, bei Corning für den Vertrieb zuständig, sei das Kernstück der Lösung eine Multiport-Mastbox. Diese sehe aus und funktioniere wie eine für den Außenbereich konzipierte Mehrfachsteckdose. Es müsse eine mit einem Stecker versehene Glasfaserleitung lediglich an die Box angesteckt werden, die an einem Mast aufgehängt wird. Das Kabel könne dann oberirdisch zum jeweiligen Hausanschluss geleitet werden. Die Installation sei für Telekom-Techniker sehr einfach und sicher.

Neben der schnellen Verlegung ergeben sich auch Einsparpotentiale bei den Kosten. Man könne sich die Tiefbaukosten sparen. Die oberirdische Verlegung sei auch günstiger als die seit einiger Zeit angewandten Trechning-Methoden, bei denen zur Glasfaserverlegung kleine Schlitze in Straßen oder Bürgersteige gefräst werden. In bergigen Gegenden seien Tiefbauarbeiten zudem schwierig. In ländlichen Regionen würde es laut Miller oft eine bereits bestehende Mast-Infrastruktur gegen, die man nutzen könne. Das System komme ursprünglich aus den USA, sei aber jetzt zusammen mit der Telekom für den deutschen Markt angepasst worden.

Viele Kommunen fragen Telekom nach oberirdischer Verlegung

Mario Zerson, verantwortlich für Internationale Standardisierung bei der Telekom, erläutert, dass viele Kommunen an den Bonner Konzern herangetreten seien, die sich eine oberirdische Glasfaserverlegung wünschen. Die Lösung von Corning sei beispielsweise auch für Netzausläufer zu abgelegenen Bauernhöfen geeignet. Will der benachbarte Hof ebenfalls ans Netz, so sei eine schnelle Verdichtung durch die oberirdische Verlegung schnell erledigt. "Dann fährt man nur noch mit einer Leiter raus und steckt den Kunden an", so Zerson.

Keine Spleißarbeiten erforderlich

Das Besondere sei, dass man mittels Plug and Play arbeiten könne. Umständliche Spleißarbeiten der Glasfaserkabel entfallen. "Ich gehe davon aus, dass wir bei unseren derzeit drei Millionen Holzmasten einige haben werden, wo wir dieses System anhängen werden", so Zerson. Die Leitungslänge der von der Telekom eingesetzten Masten liege bei über 100.000 Kilometern.

Wie sicher ist die oberirdische Verlegung von Glasfaserkabeln?

Da Glasfasern ein nichtmetallisches Medium seien, müsse man bei einer oberirdischen Verlegung keine Schäden durch Blitzeinschläge befürchten. Die Technik sei dadurch wartungsärmer und störungsunanfälliger. Auf mögliche Gefahren für die Masten durch Stürme ging die Telekom in dem YouTube-Video nicht ein. Zerson sieht das System als ausreichend sicher an. Die Masten seien ungefähr fünf bis sieben Meter hoch, da komme man nicht ohne weiteres ran. Die eingesetzten Steckverbindungen seien auch dann sicher, wenn man sie unter Wasser tauchen würde. Staub und Verschmutzung könnten dem Glasfasermedium nicht viel anhaben.

Für 2018 hat die Telekom in Deutschland die Verlegung von 60.000 Kilometer Glasfaserleitungen geplant. Der Großteil davon werde aber weiterhin unterirdisch verlegt. Doch zur Schließung von Versorgungslücken oder zur Verkürzung von Wartezeiten kämen zunehmend auch alternative Verlegemethoden zum Einsatz.

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Info: Was ist FTTH?

FTTH bedeutet, dass das Glasfaser-Kabel bis zum Gebäude verlegt wird - so lassen sich höhere Internet-Geschwindigkeiten realisieren.

So funktioniert Glasfaser © Deutsche Telekom AG