Gemeinschaftsunternehmen

Glasfaserausbau: Telekom und EWE gründen Glasfaser Nordwest

Mit dem jetzt gegründeten Gemeinschaftsunternehmen Glasfaser Nordwest wollen die Deutsche Telekom und EWE im Nordwesten Deutschlands FTTH-Anschlüsse für 1,5 Millionen Haushalte realisieren.

15.01.2020, 13:01 Uhr
Glasfaser NordWest© Glasfaser NordWest

Der Startschuss für den gemeinsamen Glasfaserausbau von Deutsche Telekom und EWE im Nordwesten Deutschlands ist am Mittwoch gefallen. Beide Partner gaben die Gründung des Gemeinschaftsunternehmens Glasfaser Nordwest bekannt. Im Dezember 2017 hatten die Unternehmen eine erste unverbindliche Absichtserklärung zum gemeinsamen Glasfaserausbau abgegeben. Zwei Jahre später, im Dezember 2019, hatte das Bundeskartellamt grünes Licht für die Zusammenarbeit gegeben. Glasfaser Nordwest wird laut Telekom und EWE vor allem den Ausbau von Glasfaseranschlüssen für Privatkunden übernehmen.

Investitionen von bis zu zwei Milliarden Euro für den Glasfaserausbau

Der Firmensitz von Glasfaser Nordwest ist das niedersächsische Oldenburg. Dort sollen zunächst rund 35 Beschäftigte arbeiten. Zu Geschäftsführern ernannt wurden Christoph Meurer und Oliver Prostak. Meurer kommt von EWE, Prostak war zuvor bei der Telekom in Bonn tätig. Bis zu 1,5 Millionen Haushalte sowie Unternehmensstandorte in der Region sollen mit schnellem Internet versorgt werden. Konkret wird das neue Glasfaserunternehmen in Teilen von Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen und Bremen aktiv werden. Realisiert werden sollen Glasfaseranschlüsse bis ins Haus auf Basis von FTTH (Fibre to the Home). Über einen Zeitraum von zehn Jahren sollen bis zu zwei Milliarden Euro in den Ausbau investiert werden. Eine zeitliche Befristung der Kooperation gebe es nicht.

Glasfaser Nordwest startet Glasfaserausbau in diesen Gebieten

Der Glasfaserausbau starte umgehend in ersten Ausbaugebiete in Belm und Cloppenburg. Danach würde der FTTH-Ausbau in Achim, Bremen, Bremerhaven, Delmenhorst, Emsdetten, Georgsmarienhütte, Oldenburg, Stade, Tostedt, Weyhe und Vechta folgen. Es sollen auch bislang unterversorgte Gebiete mit Glasfaseranschlüssen erschlossen werden. Aus kartellrechtlichen Gründen werde sich Glasfaser Nordwest allerdings nicht am Ausbau von komplett unwirtschaftlichen Ausbaugebieten beteiligen, die nur über Fördermaßnahmen erschlossen werden könnten. In den ersten beiden Jahren sollen die auszubauenden Gebiete vorab festgelegt werden und von den beiden Mutterkonzernen Telekom und EWE ausgebaut werden. Danach werde Glasfaser Nordwest die Ausbaugebiete in einem Auswahlverfahren vergeben, ein Zuschlag sei auch an Dritte möglich. Glasfaser Nordwest entscheide sich jeweils für das beste Angebot zum Infrastrukturausbau.

Glasfasernetze von Glasfaser Nordwest sollen allen interessierten Anbietern offenstehen

Die neuen Glasfasernetze sollen interessierten Telekommunikationsunternehmen zu "üblichen und diskriminierungsfreien kommerziellen Bedingungen zur Verfügung" gestellt werden. Noch 2020 sollen die ersten Kunden im Ausbaugebiet Zugriff auf die neuen Glasfaseranschlüsse haben. Telekommunikationsdienste werden nicht direkt von Glasfaser Nordwest an Endkunden vermarktet. Stattdessen will das Gemeinschaftsunternehmen Glasfaserzugänge für alle Telekommunikationsunternehmen wettbewerbsoffen anbieten. Andere Provider könnten das Netz nutzen und eigenständige Produkte anbieten.

"Die Gründung der Glasfaser Nordwest ermöglicht uns völlig neue Chancen, das Thema Telekommunikation neu zu denken. Auf Basis unseres neuen Geschäftsmodells zielen wir darauf ab, viele TK-Dienstanbieter auf unserem Netz zu vereinen. Die Endkunden profitieren von standardisierten und transparenten Prozessen unabhängig davon, welchen Anbieter sie auswählen", erläutert Glasfaser Nordwest-Geschäftsführer Prostak.

Telekom-Deutschlandchef Dirk Wössner zeigt sich erfreut über die Zusammenarbeit mit EWE: "Heute ist ein sehr guter Tag für den Nordwesten Deutschlands. Eineinhalb Millionen Haushalte und Unternehmensstandorte sollen davon profitieren, dass sich zwei starke Unternehmen zusammengetan haben. Glasfaser Nordwest bringt Hochgeschwindigkeit in die Stadt und aufs Land – und ich freue mich, dass sich unsere Anstrengungen für Kooperationen auszahlen."

BREKO: Glasfaserausbau geht nur gemeinsam

Der Glasfaserverband BREKO begrüßte die Zusammenarbeit der beiden BREKO-Mitglieder Telekom und EWE und sieht künftig eine Welle von Kooperationen beim Glasfaserausbau. " Das Motto muss lauten: Kooperationen beim Glasfaserausbau anstelle von volkswirtschaftlich unsinnigem Überbau!", so BREKO-Geschäftsführer Dr. Stephan Albers. Zudem warnt er: "Es wäre fatal, nur auf den Mobilfunk zu setzen. Die Veröffentlichung der Berichte zur Erfüllung der Versorgungsauflagen aus der Frequenzauktion 2015 spricht hier eine klare Sprache."

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Info: Was ist FTTH?

FTTH bedeutet, dass das Glasfaser-Kabel bis zum Gebäude verlegt wird - so lassen sich höhere Internet-Geschwindigkeiten realisieren.

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