Reaktion

M-net kritisiert Vectoring-Strategie der Netzagentur

M-net kritisiert, dass die bestehende FTTB/H-Infrastruktur in den Städten bei der Vectoring-Regulierung nicht ausreichend berücksichtigt werde. Mit der Förderung des Vectoring-Ausbaus der Telekom setze man auf "Gebrauchtwagen" statt "Rennwagen".

m-netM-net errichtet in seinem Verbreitungsgebiet in Bayern eigene Glasfasernetze.© M-net

München – Mit dem am Montag vorgelegten Vectoring-Entscheidungsentwurf hat die Bundesnetzagentur viel Kritik auf sich gezogen. Branchenverbände wie VATM und BREKO hatten die Entscheidung zum nahezu exklusiven Vectoring-Einsatz der Telekom im Nahbereich der Hauptverteiler als "nicht fair" und als "fatales Signal" bezeichnet. Mitbewerber der Telekom sollen sich aus dem Vectoring-Ausbau im Nahbereich zurückziehen und stattdessen ein virtuelles Vorleistungsprodukt der Telekom nutzen. NetCologne (www.netcologne.de) preschte am Mittwoch vor und machte eine eigene Investitionszusage für den Vectoring-Ausbau im Nahbereich in Höhe von 43 Millionen Euro. Der bayerische Telekommunikationsanbieter M-net (www.m-net.de) hingegen sieht seine eigene Glasfaser-Strategie trotz des Entscheidungsentwurfs der Bundesnetzagentur bestätigt.

Bundesnetzagentur setzt auf veraltete Infrastruktur

Die Bundesnetzagentur habe erkannt, dass großflächig Breitbandanschlüsse mit bis zu 100 Mbit/s bereitgestellt werden müssten. Die Strategie der Bonner Regulierungsbehörde, dabei vor allem auf das alte Kupferkabel zu setzen, stößt bei M-net aber auf Kritik. Diese Infrastruktur sei "völlig veraltet", die Einsatzfähigkeit in der Zukunft sei zeitlich zudem sehr begrenzt. Die Entscheidungssystematik der Bundesnetzagentur sei laut Jörg Schoof, Leiter Corporate Affairs bei M-net, bislang schon grundsätzlich falsch gewesen, daher sei der jetzt von ihr vorgelegte Entscheidungsentwurf "eine logische zweite Teilentscheidung in Bezug auf den Einsatz von Vectoring in Deutschland".

M-net: FTTH/B-Ausbau wird nicht ausreichend berücksichtigt

Nicht ausreichend berücksichtigt werde "der richtige, weil nämlich zukunftsfähige und für die Standortentwicklung Deutschlands entscheidende Weg, auf den großflächigen Glasfaserausbau bis in die Gebäude hinein (FTTB) zu setzen", so Schoof weiter. Klare Kritik in Richtung der Bonner Regulierungsbehörde: "Die Bundesnetzagentur setzt beim Breitbandausbau pro Kupfer auf eine Gebrauchtwagen-Strategie, die langfristig nicht funktionieren wird. Die Elektromobilität bringt man schließlich auch nicht voran, indem man in Gebrauchtwagenfahrzeuge lediglich einen E-Motor verbaut", betont Schoof.

"Wir bei M-net werden unsere seit Jahren erfolgreich praktizierte Breitband-Strategie weiter verfolgen und dem Privatkunden echte Glasfaser-Internetanschlüsse mit 100 Mbit/s und vielfach auch schon 300 Mbit/s zur Verfügung stellen und deswegen den FTTB /H-Ausbau weiter forciert betreiben"“, so der M-net-Manager.

Vectoring-Klage und Kritik an ökonomisch unsinnigen Doppelausbau

Bereits seit 2013 klagt M-net gegen die Regulierungsverfügung der Bundesnetzagentur, die den Vectoring-Ausbau in Deutschland regelt. Der bereits durchgeführte FTTB/H-Ausbau in den großen Städten werde dabei nicht berücksichtigt. "Dadurch erfolgt derzeit ein volkswirtschaftlich völlig unsinniger Doppelausbau durch die Deutsche Telekom", erklärt Schoof. FTTH/H-Ausbauten sollten auch in der Vectoring-Regulierung berücksichtigt werden.

"Es darf nicht sein, das ein Unternehmen, das zu einem Drittel noch dem deutschen Staat gehört, in ordnungspolitisch unsinnig doppelte und vor allen Dingen unzeitgemäße sowie veraltete Breitbandinfrastrukturen investiert. So werden wichtige Gelder, die für den Ausbau im ländlichen Bereich dringend benötigt werden, schlichtweg verschwendet", so Schoof weiter. Der bessere Ansatz wäre, dass die Telekom bereits bestehende schnelle Infrastruktur mitnutze. Dagegen sperre sich die Telekom laut M-net aber bereits seit Jahren.

Mündliche Anhörung zum Vectoring-Entscheidungsentwurf am 10. Dezember

Am 10. Dezember gibt die Bundesnetzagentur im Rahmen einer mündlichen Verhandlung zum Entscheidungsentwurf Providern und Verbänden im Rahmen des bis zum 18. Januar 2016 befristeten nationalen Konsultationsverfahren Gelegenheit zur Stellungnahme. M-net werde sich dort einbringen, um die "bestehenden Rahmenrichtlinien sinnvoll umzugestalten".

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Info: Was ist FTTH?

FTTH bedeutet, dass das Glasfaser-Kabel bis zum Gebäude verlegt wird - so lassen sich höhere Internet-Geschwindigkeiten realisieren.

So funktioniert Glasfaser © Deutsche Telekom AG