Aktuelle Vergleichsstudie

Glasfaserausbau kommt in Deutschland nur schleppend voran

Experten des Fraunhofer-Instituts bescheinigen Deutschland beim Glasfaserausbau zu wenig ambitionierte Ziele. Die Gründe für den im internationalen Vergleich ungenügenden Glasfaserausbau hierzulande werden in einer Studie aufgelistet.

FTTH© Silvano Rebai / Fotolia.com

Gütersloh - In den vergangenen Jahren sah es für Deutschland beim Glasfaserausbau im internationalen Vergleich nicht gut aus. Die Bundesrepublik landete regelmäßig auf den hinteren Rängen. Die aktuelle Vergleichsstudie "Ausbaustrategien für Breitbandnetze in Europa. Was kann Deutschland vom Ausland lernen?" des Fraunhofer-Instituts für System- und Innovationsforschung (ISI) im Auftrag der Bertelsmann Stiftung sieht Deutschland bei Glasfaseranschlüssen auch aktuell immer noch auf der "Kriechspur". Hierzulande werde zu wenig in den Glasfaserausbau investiert.

Deutschland fast Schlusslicht bei Glasfaserabdeckung

Im OECD-Vergleich liege Deutschland bei der Versorgung mit Glasfaseranschlüssen auf Platz 28 - von 32 Ländern. Lediglich 6,6 Prozent der Haushalte bundesweit könnten von direkten Glasfaserverbindungen (FTTH/B) profitieren. In ländlichen Regionen liege die Glasfaserabdeckung mit 1,4 Prozent sogar noch weit darunter.

Breitbandziele nicht mutig genug - Gesamtstrategie des Staates fehlt

Die Fraunhofer-Experten listen gleich eine ganze Reihe an Gründen auf. So seien die Breitbandziele der Bundesregierung nicht ambitioniert genug. Bis Ende 2018 soll flächendeckend lediglich 50 Mbit/s verfügbar sein. Diese Bandbreite sei aber auch mit VDSL und Vectoring erreichbar. Deutschland gehe dabei einen Sonderweg. Größere Investitionen in den Glasfaserausbau würden damit nicht erreicht. Die EU plane dagegen bis 2020 für jeden zweiten Verbraucher Internet mit bis zu 100 Mbit/s. Die Studie verweist zudem auf "eine fehlende gesamtstaatliche Strategie, unkoordinierte Förderprogramme und fehlender Mut, konsequent auf Glasfasertechnologien zu setzen".

"Der aktuelle Stand der Glasfaser-Versorgung ist nicht gut, aber das eigentliche Drama ist, dass der Aufholprozess durch politische Weichenstellungen unzureichend unterstützt wird", sagt Brigitte Mohn, Vorstand der Bertelsmann Stiftung.

Estland und Schweden führend bei Glasfaseranschlüssen in Europa

Ganz anders sehe es in anderen europäischen Ländern aus, die systematisch und schon länger in den Glasfaserausbau investieren würden. Bereits 73 Prozent der Haushalte in Estland sowie 56 Prozent der Haushalte in Schweden könnten bereits Glasfaseranschlüsse nutzen. Dort würden sich kommunale Versorger um die Glasfasernetze kümmern.

Bessere Koordinierung von Ausbauprojekten erforderlich

Laut den Forschern des Fraunhofer-Instituts bestehe in Deutschland gleich auf mehreren Ebenen Handlungsbedarf. So sollten die nationalen Ziele mutiger sein, aktuelle Ausbauprojekte müssten zudem besser koordiniert werden. Der Staat müsse durch einen runden Tisch mit Telekommunikationsdienstleistern und Netzbetreibern Doppelverlegungen vermeiden. Auch ländliche Gebiete müssten mit Glasfaser erschlossen werden. Länder und Kommunen sollten enger in den Glasfaserausbau einbezogen werden. Chancen würden sich etwa beim Netzausbau durch städtische Versorgungsbetriebe ergeben.

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Info: Was ist FTTH?

FTTH bedeutet, dass das Glasfaser-Kabel bis zum Gebäude verlegt wird - so lassen sich höhere Internet-Geschwindigkeiten realisieren.

So funktioniert Glasfaser © Deutsche Telekom AG