WIK-Studie

BREKO: 12 Schlüsselfaktoren für den Glasfaserausbau

Die Beachtung von zwölf Schlüsselfaktoren können laut einer WIK-Studie im Auftrag des Breitbandverbands BREKO den FTTH/B-Ausbau in Deutschland voranbringen. Auch hierzulande sei ein profitabler Glasfaserausbau möglich.

BREKO© BREKO Bundesverband Breitbandkommunikation e. V.

Berlin – Beim Glasfaserausbau liegt Deutschland im internationalen Vergleich zurück. Ist der Glasfaserausbau hierzulande angesichts der noch recht bescheidenen Nachfrage überhaupt rentabel? Wie der FTTH/B-Ausbau in Deutschland weiter vorangetrieben werden kann, zeigte am Donnerstag der Breitbandverband BREKO auf. Der Verband, in dem über 140 Netzbetreiber zusammengeschlossen sind, stellte die aktuelle Studie "Erfolgsfaktoren beim FTTB/H-Ausbau" vor, die das Wissenschaftliche Institut für Infrastruktur und Kommunikationsdienste (WIK) für den BREKO erstellt hatte. Die Studie, die auf Experteninterviews mit FTTH/B-ausbauenden Unternehmen sowie auf wissenschaftlichen Daten basiert, sieht zwölf Schlüsselfaktoren, um erfolgreich direkte Glasfaseranschlüsse in Deutschland ausrollen zu können. Daraus würden sich auch konkrete Handlungsempfehlungen an die Politik ableiten.

WIK: Glasfaserausbau lohnt sich

WIK-Geschäftsführerin Iris Henseler-Unger, ehemalige Vizepräsidentin der Bundesnetzagentur, stellte die Studie vor. "Man kann an etlichen Modellen nachweisen, dass sich Glasfaser sehr wohl lohnt", so Henseler-Unger. Die Studie gelte daher als Impuls für diejenigen, die Glasfaser ausbauen wollen. Erste Glasfaserunternehmen würden bereits für Finanzinvestoren interessant, wie der Einstieg bei der Deutschen Glasfaser durch KKR oder bei Inexio durch Warbung Pincus zeige.

Für einen profitablen FTTH/B-Ausbau in Deutschland müssten aber bestimmte Dinge berücksichtigt werden. Es werde nicht mehr nur auf den Preis geschaut, eine Qualitätsdifferenzierung sei in Deutschland inzwischen möglich. So würden Glasfasernetze mit hohen und symmetrischen Bandbreiten, einer geringen Störungsanfälligkeit und einer geringen Latzenz punkten. Für entsprechende Produkte würde eine zusätzliche Zahlungsbereitschaft bestehen.

Kosteneffizienter Ausbau: Auch oberirdische Verlegung von Glafaserkabeln denkbar

Ausbauschwellen und Vermarktungsquoten müssten vorab verbindlich definiert werden. Der Ausbau müsse zudem kosteneffizient erfolgen, etwa durch Einsatz von innovativen Verlegemethoden wie Mikrotrenching. Auch eine oberirdische Verlegung von Glasfaserkabeln sei als Übergangsszenario denkbar. Das beim Glasfaserausbau in Europa führende Schweden setze beispielsweise auf solche Methoden. Durch eine Senkung der Ausbaukosten würden auch die monatlichen Kapitalkosten für die investierenden Unternehmen spürbar reduziert. Finanzinvestoren sollten sich aber darüber bewusst sein, dass bei einer Investition in Glasfaser eher mit einer Abschreibungsdauer von 25 Jahren statt einer schnellen Rentabilität innerhalb von fünf oder zehn Jahren zu rechnen sei.

Höhere Netzauslastung durch Open Access

Die WIK-Studie plädiert für Open Access, also eine Öffnung der Netze für andere Anbieter, um das Glasfasernetz besser auszulasten. Der Wholesalebereich müsse vorangetrieben werden. Neue Chancen für eine Steigerung der Netzauslastung würden sich durch den Ausbau von 5G ergeben. Die Schaffung geeigneter Rahmenbedingungen wie eine übergreifende Plattform könnten Erfolg bringen.

2025: 75 Prozent der Haushalte fragen nach Bandbreiten von 500 Mbit/s und mehr

Werde ein Highspeed-Zugang erst einmal vor Ort angeboten, so werde dieser auch nachgefragt. Das zeigten diverse Beispiele aus der Praxis. Für das Jahr 2025 erwartet das WIK bei 75 Prozent aller Haushalte eine Nachfrage nach Download-Bandbreiten von 500 Mbit/s und mehr. Außerdem würden auch Geschäftskunden zunehmend Gigabitanschlüsse nachfragen.

Politik muss FTTH/B-Infrastrukturziel über 2018 hinaus festlegen

Damit Deutschland beim Glasfaserausbau nicht länger hinterhinke, müsse ein politisches FTTH/B-Infrastrukturziel – über 2018 hinaus – definiert werden. Vor wenigen Tagen habe Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt das Strategiepapier "Digitales Deutschland – Wir bauen Gigabit-Deutschland!" vorgestellt. Daran wollen WIK und BREKO anknüpfen. "Die durchaus begrüßenswerten Ansätze der Bundesregierung müssen nun schnellstens konkretisiert, erweitert und konsequent weiterverfolgt werden", betont BREKO-Präsident Norbert Westfal. "Auf diesem Wege kann eine durch das aktuelle Breitbandziel der Bundesregierung (50 MBit/s für alle Haushalte bis 2018) entstandene, ‚taktische Falle‘ eliminiert werden: nämlich der kurzsichtige Fokus insbesondere auf VDSL-Vectoring", so Westfal weiter.

Förderung vereinfachen

Weitere Thesen der WIK-Studie: Die Förderung müsse vereinfacht werden und eine Priorität auf FTTH/B-Ausbau setzen. Vorbild könnten hier die Förderrichtlinien von Schleswig-Holstein und Baden-Württemberg sein. Die Nachfrage ließe sich bei gewerblichen Kunden zudem etwa durch ein Voucher-System anregen. Dabei könne es beispielsweise staatliche Zuschüsse für die Nutzung von Glasfaserzugängen für ein oder zwei Jahre geben.

Glasfaserausbau nur im Wettbewerb

Der Glasfaserausbau in Deutschland sei von einem Unternehmen alleine nicht zu schultern. Daher sei der Infrastrukturwettbewerb Voraussetzung für den Erfolg. Hier sei eine gute Regulierung erforderlich, die auch die Verfügbarkeit von Vorleistungsprodukten sicherstelle. Die Studie sieht es als kritisch an, dass die Telekom beispielsweise erst dann den FTTC-Ausbau starte, wenn Wettbewerber in dem Gebiet FTTH/B ausbauen wollen. Investitionen in FTTH/B-Ausbau müssten besser geschützt werden vor einem solchen strategischen Investitionsverhalten.

BREKO-Geschäftsführer Stephan Albers betonte, dass sein Verband aktiv mitgestalten wolle bei weiteren Ausbauzielen. Glasfasernetze seien nicht international, sondern vor allem regionales Projektgeschäft.

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Info: Was ist FTTH?

FTTH bedeutet, dass das Glasfaser-Kabel bis zum Gebäude verlegt wird - so lassen sich höhere Internet-Geschwindigkeiten realisieren.

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